Rückblick Juni 2019

“Juni, mehr trocken als nass, füllt mit gutem Wein das Fass. ” (Bauernregel)

So besagt es zumindest eine alte Bauernregel. Wie erwartet hat der Juni zahlreiche Rekorde gebrochen. Am 26.06.2019 erreichten durch die Sahara-Luft aus Westafrika viele deutsche Städte die höchste Junitemperatur ihrer Geschichte (38,6 Grad in Brandenburg an der polnischen Grenze, 45,1 Grad in Frankreich) – bei uns in Ostbayern waren es an jenem Tag “nur” maximal 33 Grad (bei gefühlten 40 Grad) und Waldbrandstufe 4 von 5. Und das bedeutet folglich auch, dass der Juni diesen Jahres überhaupt der heißeste seit Messbeginn war, denn schon lange vor der Sahara Hitze hatten wir hochsommerliche Temperaturen wie sie eigentlich eher für Juli und August typisch sind. Ursache für den “Sahara-Outbreak” waren der Jetstream und der Afrika-Sog.  Doch nicht nur Deutschland, sondern auch andere europäische Länder wie etwa Frankreich und Italien litten unter der extremen Hitzewelle. Am Ende hieß es dann: Der Juni 2019 war der wärmste und sonnigste Juni in Deutschland seit Messbeginn 1881 und insgesamt 4,4 Grad zu warm (und toppt seinerseits damit den bisherigen Rekord vom Juni 2018). Es war sogar weltweit der heißeste Juni überhaupt, wie es später im öffentlichen Rundfunk bekannt gegeben wurde.

Und damit nicht genug: der Deutsche Wetterdienst warnte in diesen Tagen vor UV-Strahlung mit ungewohnt hohen Werten. Nur einen Tag später, den 27.06., war Siebenschläfer mit ähnlich warmen Temperaturen, der uns verhieß, dass es die nächsten Wochen genauso hochsommerlich weitergehen würde. Es scheint erneut einmal ein gutes Jahr für Winzer, aber wieder eine schwierige Saison für Gärtner und Landwirte zu werden.

“Wie’s Wetter am Siebenschläfertag, so bleibt es sieben Wochen danach.” (Bauernregel)

Daher hatten wir in der Gärtnerei in diesem Monat sehr viel mit der Bewässerung unser grünen Geschwister zu tun. Wir haben zudem ein neues Solar-Bewässerungssystem installiert, das uns die Arbeit besonders an heißen Tagen abnimmt, sodass wir uns nicht in die Hitze begeben müssen und die Pflanzen nicht verdursten. Eine gute Investition für die Zukunft, wenn man bedenkt, dass auf Grund des Klimawandels sonnenreiche und heiße Sommer in Zukunft häufiger werden. Unsere exotischen Pflanzen wie das Australische Zitronenblatt und das Indische Patchouli als auch unsere Gemüse-Raritäten wie etwa der ewige Kohl und die Luftzwiebel waren heuer besonders gefragt, sodass sich hier der Bestand drastisch reduziert hat und wir für die aktuelle Saison nur noch wenige Exemplare zum Verkauf anbieten können. Auch unsere Duftgeranien waren bisweilen sehr beliebt sodass wir hier erst einmal für Nachschub sorgen müssen. Es freut uns zu sehen, dass unsere Arbeit nach nur einem Jahr der Eröffnung schon gute “Früchte” trägt und sich unsere besondere Art der Gärtnerei schnell herumgesprochen hat – nicht nur bei Menschen, sondern auch bei den Tieren (insb. bei unseren kleinsten Mitarbeitern, den Insekten).

“Peter und Paul hell und klar bringt ein gutes Jahr.” (Bauernregel)  

Wie es schon der Siebenschläfertag andeutete, setzte sich das hochsommerliche Wetter mit viel Sonnenschein und klarem blauen Himmel auch Ende Juni zu Peter und Paul (29. Juni) fort. Für Winzer und mediterrane Pflanzen wie Salbei, Thymian, Rosmarin und Lavendel oder mediterranes Obst ist dieses Wetter ideal – weniger jedoch für jene heimischen Pflanzenarten die gemäßigtes Klima mit milden und nassen Sommern bevorzugen wie sie “normalerweise” bei uns in Deutschland üblich sind. So konnten wir heuer ein besonders schnelles und prächtiges Wachstum bei mediterranen Pflanzen beobachten, während sich die heimischen Sonnenanbeter doch recht schwer mit der Hitze und intensiven Sonneneinstrahlung taten, welche ihrerseits in den letzten Jahren auch immer mehr zugenommen hat. Selbst die eigentlich recht anspruchslosen und wärmeliebenden einheimischen Pflanzen wie Wermut, Beifuß  und Johanniskraut sowie die Kamille und Schafgarbe ächzten sichtlich bei den Temperaturen sodass wir hier teilweise Kulturausfälle hinnehmen mussten und die Pflanzenarten Johanniskraut sowie Schafgarbe erst nächstes Jahr anbieten können anstatt wie geplant noch dieses Jahr.

Da heißt es dann Abwarten und kalten Tee oder ein anderes schönes kühles mit Kräutern aromatisiertes Wasser zu trinken. Wir nehmen es wie es kommt, denn ändern oder direkt beeinflussen können wir das Wetter nicht. Und das ist auch gut so. Vergesst nicht Euch genug Pausen bei der Hitze zu gönnen und alles etwas langsamer angehen zu lassen, denn extreme Hitze geht genauso wie extreme Kälte auf den Kreislauf. Nicht nur bei uns und den Tieren ist das so, sondern auch bei den Pflanzen. Man spricht dann von “Hitzestress”. Hitzestress kann bei den Pflanzen Welkesymptome hervorrufen, die weniger auf Wassermangel als auf eine zu große (Stau-) Wärme und intensive Sonneneinstrahlung hindeuten, welche die Pflanze nicht verarbeiten kann.

Dies kann zu Wachstumsstockungen führen, bei dauerhafter extremer Belastung aber auch zum Ableben der Pflanze. Hier gilt es die Augen offen zu halten und betroffene Pflanzen mit Schattierungsnetzen vor der Sonne zu schützen. Hat man kein Schattierungsnetz zur Hand kann man für die erste Hilfe entsprechende Pflanzen auch mit einfachem Zeitungspapier abdecken. Bei kompletter Abdeckung der Pflanzen nicht vergessen genug Luftlöcher in die Zeitung zu schneiden, da sonst wieder viel Stauwärme entsteht und man genau das Gegenteil erreicht. Bei teilweise Abdeckung (z.B. wenn man die Zeitung einfach nur wie eine Plane über die Pflanze als Schutz vor der Sonne spannt und von den Seiten alles offen ist) sind keine Luftlöcher notwendig. Ebenfalls hervorragend lassen sich beispielsweise Zimmergewächshäuser bei diesem Wetter mit Zeitungspapier abdecken, denn irgendwann wird es auch den Sämlingen, Keimlingen und Stecklingen zu heiß (Lüftung nicht vergessen, damit die Stauwärme entweichen kann).

“Wir befinden uns auf einem erhöhten Temperaturniveau. Die Arktis taut rasant. Durch die abnehmenden Temperaturkontraste zwischen Äquator und Nordpol gerät der Jetstream immer mehr ins Stocken. Der verlangsamte Jetstream wirkt sich wiederum auf das Auftreten extremer Hitzewellen aus” (Quelle: wetter.com)

Durch die Eisschmelze der Arktis verändern sich Golfstrom und Jetstream, die maßgeblich für unser Wetter, insb. das gemäßigte Klima in Europa verantwortlich sind. Sie verlangsamen sich zunehmend wodurch extreme Wetterlagen nicht nur zunehmen, sondern auch länger über einem Gebiet verweilen können. Es steht außer Frage, dass die immer häufiger und extremer werdenden Hitzewellen (wie die aktuellen) auf den Klimawandel zurückzuführen sind und jeden Einzelnen von uns betreffen – nicht nur irgendwo in Afrika und Indien, sondern auch hier in Europa und ganz konkret in Deutschland. Es bleibt abzuwarten, wie sich die nächsten Wochen gestalten werden. Für uns und alle anderen Gärtnereien steht bei hochsommerlichen Temperaturen jedenfalls viel Arbeit an: die Pflanzen vor zu viel Sonne und Hitze schützen und sie nicht verdursten lassen.  Und das ist bei der Menge gar nicht so einfach…

Schreibe einen Kommentar

For security, use of Google's reCAPTCHA service is required which is subject to the Google Privacy Policy and Terms of Use.

I agree to these terms.