Rückblick Juli 2019

“Juli schön und klar, gibt ein gutes Bauernjahr. ” (Bauernregel)

So besagt es zumindest eine alte Bauernregel. Und tatsächlich war der Juli 2019 schön und klar, doch er war (leider) noch mehr als das. Die Dürre vom letzten Jahr war noch nicht einmal ausgeglichen und schon setzte sich die neue Dürre fort. Ende des Monats wurde ein neuer Hitzerekord von 42,6 Grad im niedersächsischen  Lingen aufgestellt und auch zahlreiche andere Messtationen in Deutschland knackten die 40 Grad Marke. Auch dieser Monat war am Ende wieder sehr sonnig und viel zu trocken. 2019 bleibt bisher das Jahr der Temperaturrekorde. Auch wenn man man in andere Länder blickt: Das Fazit: Der Juli 2019 war der heißeste Monat seit Messbeginn 1881 weltweit aber nicht der heißeste Juli seit Messgeschichte in Deutschland. Hierfür war es in der ersten Monatshälfte ungewöhnlich kühl,  was merkbar auf das Monatsmittel drückte. Dennoch ächzten viele Teile Europas und Deutschlands unter der Hitzewelle.

Die vergangenen vier Jahre waren weltweit die heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter stiegen die Temperaturen weltweit bereits um ein Grad an.(Quelle: welt.de)

Die extreme Hitze (insb. Ende des Monats) war u.a. wieder auf einen “Sahara-Outbreak” zurückzuführen, der uns heiße Luft aus Afrika durch den Jetstream brachte. Wir erinnern uns: Der Jetstream hängt mit dem Klimwandel unmittelbar zusammen und begünstigt sowohl “Sahara-Outbreaks” aus Afrika im Sommer als auch “Arctic-Outbreaks” vom Nordpol im Winter.

“Im Juli muss vor Hitze braten, was im September soll geraten.” (Bauernregel)

Im Juli wurde Europa wirklich gebraten, ja fast schon gegrillt. Das geht natürlich auch an der Pflanzenwelt nicht spurlos vorbei. Obwohl wir unsere Pflanzen regelmäßig gießen und düngen, sie mittels Vlies vor Kälte und Starkregen und Hagel schützen, waren auch wir zum ersten Mal nicht gegen dieses extreme Wetter  gefeit. Den Erdbeer- Himbeer- und Heildelbeerpflanzen war es für die Blüte zu heiß, Sonnenanbeter wie Lavendel und das Australische Zitronenblatt ließen die Köpfe hängen und bekamen auf Grund des Hitzestresses Wachstumsstockungen und das wärmeliebende Indische Patchouli ist selbst im Schatten eingegangen, weshalb wir einige Pflanzen überhaupt nicht mehr liefern konnten oder nur mit zwei Wochen Verzögerung, in der sich manche Pflanzen doch noch vom Hitzestress erholen konnten.

Leider hat es in dieser Zeit auch unsere Mutterpflanze vom Indischen Patchouli getroffen. Neue Aussaatversuche des Indischen Patchoulis sind gescheitert und Stecklinge konnten nicht mehr geschnitten werden, denn die Jungpflanzen waren teilweise bereits verkauft oder ebenfalls eingegangen. Da wir jedoch das Patchouli als Duft- und Räucherpflanze nicht mehr missen möchten, haben wir uns entschieden auf mehrfache Kundennachfrage auf das Javanische Patchouli umzusteigen, da es kompakter und buschiger wächst. Bis wir allerdings Jungpflanzen heranzüchten können muss unsere neue Mutterpflanze erst einmal groß und stark werden. Sie ist auf dem besten Weg dahin und hat sich schon gut bei uns eingelebt. Und nächsten Jahr gibt es dann vielleicht schon das Javanische Patchouli bei uns zu kaufen.

“Juli recht heiß, lohnt sich Mühe und Schweiß. ” (Bauernregel)

Doch nicht nur die Pflanzen litten unter extremer Hitze und Dürre, sondern auch ganz besonders die Bäume. In Deutschland sorgen sich Förster und Naturschützer gleichermaßen um den Baumbestand und das damit verbundene Ökosystem. In einem Nachbarort von uns kam es kürzlich zu ungeplanten Abholzungen wegen des Borkenkäferbefalls. Doch nicht nur der Borkenkäfer ist ein großes Problem, sondern auch die fortwährende Dürre, mit welcher viele Bäume nicht zurechtkommen, verdursten und absterben. Neben der wirtschaftlichen vielfach genutzten Fichte trifft es inzwischen leider auch eigentlich robustere Arten wie Eichen und Buchen.

Das Problem ist sicherlich auch die Monokultur der Forstwirtschaft (insb. in Bayern), die hauptsächlich auf Fichten setzt. Monokulturen erhöhen das Risiko als auch die Auswirkung von Schädlings- oder Krankheitsbefall und erschweren zudem die Gesundung erkrankter Bestände. Fichten wachsen schneller und liefern dadurch schneller Ertrag als Laubbäume. Allerdings haben die meisten Nadelbäume wie etwa die Fichte Tellerwurzeln, die nur einen geringen Halt bieten. So haben Stürme daher auch leichtes Spiel und können Fichten kein Wasser aus tieferen Erdschichten, sondern nur von der Oberfläche aufnehmen, wodurch sie schneller Durst haben und vertrocknen wie Laubbäume, die ihrerseits in der Regel eine Pfahlwurzel haben und Durststrecken besser meistern. Und gerade wenn diese erfahrenen Laubbäume – wie aktuell – stöhnen, sollte uns dies zu denken geben – sie sind die Letzten die nach Wasser schreien, aber die Ersten die uns vor Augen halten, dass im Wald wirklich Notstand herrscht. Und mal ehrlich: die Einführung von exotischen Baumarten (z.B. aus Japan) wie wir es kürzlich in den Medien vernommen haben (nur weil sie ein bisschen resistenter, aber nicht vollkommen unverwundbar gegenüber dem Borkenkäfer oder Trockenheit sind) ist keine Lösung! Der heimische Baumbestand ist an unser Ökosystem geknüpft und umgekehrt. Als würde es nicht schon jetzt ausreichen, wie der Mensch in der Natur herumpfuscht. Wer der Natur etwas Gutes tun will lässt sie in Ruhe und unterstütz ihr natürliches Immunsystem (und das beruht auf heimischen Pflanzen- und Tierarten).

Noch viel schlimmer ist die Lage in Alaska. Dort toben seit Ende Juli die schlimmsten Waldbrände seit 20 Jahren. Mehr als 250 Waldbrände wüten nur in Alaska – 200 davon unkontrolliert. Von den restlichen Bränden in der Arktis (insb. Sibirien) ganz zu schweigen. Der Rauch der Waldbrände durch das verbrennende Pflanzenmaterial als auch die Freisetzung von weiterem CO² durch brennende Moore tragen immens zum Klimawandel bei und beschleunigen diesen in ungeahntem Ausmaß. Im Jahr 2019 wurde laut einem Ökologen so viel CO² freigesetzt wie in den vergangenen 10 Jahren zusammen (und das Jahr ist erst “halb” um). Die Erde hat längst kein Fieber mehr, sie glüht bereits (und das wortwörtlich).

Die Lage ist so schlimm, dass seit 31. Juli überall schamanischen Riten stattfinden, um Regen in die brennende Taiga zu rufen. Vertreter verschiedener Völker folgten dem Aufruf, Rituale zum Löschen von Waldbränden in Sibirien durchzuführen. Dies berichtet “Interfax-Ural” unter Bezugnahme auf den Vertreter der Chanten, den Folkloristen Timotheus Moldanow, der auf seiner Seite im sozialen Netzwerk einen entsprechenden Appell an die Schamanen veröffentlicht hat. Frühere buddhistische Lamapriester erklärten auch, dass sie ebenfalls bereit seien, Rituale auf den Ruf des Regens hin durchzuführen. Um dies zu tun, bräuchten sie die genauen Koordinaten der Feuer, sagten sie. Darüber hinaus begann in den orthodoxen Kirchen Russlands, zweimal täglich seit dem 30. Juli, ein Akathist vor der Ikone “Neopalimaya Kupina” gegen Feuer zu lesen. Die Not ist so groß, dass sich sogar verschiedene Religionen vereinen um dem Feuer Einhalt zu gebieten und die Geistige Welt um Hilfe bzw. Regen zu bitten. Wir schließen uns dem an und hoffen inständig auf Wetterbesserung zum Wohle Aller – ob Mensch, Tier, Pflanze oder Stein. Mögen die Geister & Götter gnädig sein und die Schicksalsweberinnen neue Fäden spinnen…

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