Rueckblick Juli 2018

Rückblick Juli 2018

“Macht der Juli uns heiß, bringt der Winter viel Eis.” (Bauernregel)

Es bleibt abzuwarten, wie der Winter wird. Fest steht aber jetzt schon wie der Sommer war: zu heiß, zu trocken und zu lange. Denn genau genommen haben wir bereits seit April Sommer und damit holt der Sommer 2018 den Rekord vom “längsten Sommer aller Zeiten”. Was vorher nur in aller Munde war ist nun Tatsache geworden. Doch damit nicht genug. Es war auch der heißeste und trockenste Juli seit Wetteraufzeichnung. Damit waren ganze 4 Monate in Folge (April, Mai, Juni, Juli) die wärmsten und trockensten Monate ihres Zeichens seit Messbeginn und auch in Folge innerhalb eines Jahres hat es so etwas noch nie gegeben.

Titel in den Medien wie “Jahrhundertsommer”, “Die Erde brennt”, “Juli-Bilanz: Fast alles nicht normal” und “Zahl der Sommertage 2018 auf Rekordkurs” sprechen für sich. Sondersendungen im Fernsehen, in denen man von 70-jähigen Landwirten hört, dass sie so eine Dürre in Deutschland noch nie erlebt haben geben zu denken und auch die Vermutung von einem “Jahrtausendsommer” lassen einen spüren, wie ernst die Lage ist. Ein bisschen fühlt man sich dabei an Endzeitfilme wie “Knowing – Die Zukunft endet jetzt” (2009), “Die Supernova – Wenn die Sonne explodiert” (2009) und “Der Tag, an dem die Erde Feuer fing” (1961) erinnert. Zugegeben ein wenig gruselig und unheimlich ist das schon und der “Jahrhundertsommer” hat wohl auch nicht dieselben Ursachen wie bei den o.g. Filmen, aber wenn man bedenkt, dass es am Polarkreis noch nie wegen Trockenheit und Hitze gebrannt hat und Schweden aus Verzweiflung sein eigenes Land bombardiert um die Waldbrände in Schach zu halten, fühlt man sich auch nicht wirklich besser.

“Wenn die Sonne in den Löwen geht, die größte Hitze alsbald entsteht.” (Bauernregel)

Im Radio war vielerorts zu hören, dass der Grundwasserspiegel sinke und die Bevölkerung gebeten wurde sparsamer mit Wasser umzugehen (d.h. keine Autowäsche, kein Rasen sprengen o.ä.). Flüsse wie etwa die Elbe vertrockneten bis auf das Kiesbett, die Schifffahrt wurde eingeschränkt oder sogar komplett eingestellt, vielfaches Fischsterben begann, Felder verdorrten und Waldbrände hielten ganz Europa in Atem – sogar am Polarkreis. Bäume gießen wurde in Städten zur “Bürgerpflicht” und wo es die Bürger nicht schafften rückten Einsatzkräfte von Polizei, THW und Feuerwehr mit Wasserwerfern und Schläuchen an, um das letzte Grün zu retten, was noch zu retten war. Freiwillige Feuerwehren füllten in manchen Orten sogar auch Teiche auf oder siedelten Fische um. Die Folgen diesen Sommers sind immer noch nicht abzusehen und finanzielle Hilfen für die Landwirte kommen für Viele nicht nur zu spät, sondern sind auch viel zu wenig und nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Noternten von Getreide, Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben, Notschlachtungen von Nutztieren, weil die Nahrung oder das Geld für diese Tiere fehlt (Bauern mussten auf Grund der Missernte bereits die Wintervorräte verfüttert) und die Berregnung von Tieren in Ställen wegen der Hitze lassen uns diesen Sommer gewiss nie vergessen. In der Stadt Zürich in der Schweiz tragen Polizeihunde inzwischen Schuhe, weil es viel zu heiß ist (alle Hundehalter in der Stadt sollten sich das grundsätzlich ebenfalls überlegen) und Tiertransporte innerhalb und außerhalb Europas werden von der EU trotz Temperaturen über 30 Grad genehmigt. Die Tiere stehen eng an eng im Laster bei hohen Temperaturen, bekommen kein Futter und kein Wasser. Es ist eine Tragödie. Auch die Wälder werden einige Jahre brauchen um sich von dieser Dürre zu erholen, da sie im nächsten Jahr auf Grund der Erfahrung diesen Jahres “gelernt” haben mit weniger Wasser auszukommen, was später durch einen schmalen Jahresring im Querschnitt des Baumstammes zu erkennen sein wird.

“Heißer Juli verheißt guten Wein.” (Bauernregel)

Auch wir Menschen werden die Folgen zu spüren bekommen, wenn es keine Einstreu (Stroh) und kein Futter (Heu, Silu, Mais) für Kühe, Schweine und Pferde gibt. Wenn die Ähren des Getreides zu kurz sind und zu wenig Körner haben um Mehl zu mahlen und Brot zu backen, wenn die Kartoffeln zu klein sind um diverse Kartoffelprodukte wie Pommes, Kroketten, Kartoffelpuffer, Chips, Tortillas herzustellen oder wenn nur wenig Mais vorhanden ist für Popcorn, Cornflakes und andere Maisprodukte. Importe aus dem Ausland sind keine Dauerlösung und werden trotzdem über Kurz oder Lang zu Engpässen und Preiserhöhungen führen, die auf den Verbraucher umgelegt werden. Die Einzigen die von diesem Sommer zu profitieren scheinen sind wohl die Solarstrom-Erzeuger und die Obstbauern. Doch auch den Weintrauben wird es langsam zu heiß, denn zu lange Trockenheit und Hitze lassen den Alkoholgehalt in den Trauben steigen und vermindern die Weinqualität. Obst bekommt bereits Sonnenbrand, was zu braunen Stellen führt, die matschig werden und die ganze Frucht verderben können. Und Solarzellen wird es irgendwann auch zu heiß oder besser gesagt den Transformatoren. Die Mär’ von den Gewinnern 2018 wäre damit auch  widerlegt, denn Gewinner gibt es in diesem Sommer Keine. Auch wenn die Ernte von Zuckerrüben und Weintrauben mancherorts so früh wie nie erfolgte.

“Mariä Heimsuch (02.07.) wird’s bestellt, wie’s Wetter sich 40 Tage hält.” (Bauernregel)

Auch bei uns war es den vierten Monat in Folge zu warm, zu trocken und überdurchschnittlich sonnig. Und auch unsere zahlreichen Pflanzenkinder sehnten sich täglich nach Wasser, das wir ihnen glücklicherweise geben konnten, auch wenn es seit Wochen nicht oder nur sehr wenig für unsere Regentonnen geregnet hat. Dank sei dem Wasser aus der Leitung, das wir schon seit einer gefühlten Ewigkeit regelmäßig in unsere Regentonnen füllen, eine Weile stehen lassen und dann von Hand mit der Gießkanne abschöpfen und zu den Pflanzenkindern bringen, um ihren Durst zu stillen. Ohne diese Möglichkeit wären viele unserer Pflanzen längst vertrocknet und vor diesem Problem stehen in diesem Sommer leider auch ganz viele andere Gärtnereien. Viele Experten sind sich einige: Dieser Sommer ist definitiv eine Folge des Klimawandels und Mojib Latif,  ein deutscher Meteorologe und Klimaforscher, kündigt sogar an, dass uns eine Dürre wie im Sommer 2018 und Überflutungen wie im Sommer 2017 nun viel häufiger bevorstehen und zukünftig auch regelmäßig Wetterrekorde geknackt werden.

Dieser Sommer zeigt wieder einmal, wie gut es ist, auf kleinere Flächennutzung zu setzen, denn je größer die Nutzfläche umso größer ist nicht nur die Arbeit, sondern auch die Verantwortung. Große Gewächshäuser oder große Anbauflächen sucht man bei uns vergebens, denn: es gibt Keine! Bei uns läuft die Ware nicht vom Band, bei uns schafft man noch mit Herz und Hand. Eine kleinere Fläche in solchen Zeiten zu bearbeiten, zu gießen und zu beschützen ist viel leichter und realistischer, als ein Große. Und genau das ist auch Sinn und Zweck unserer Gärtnerei. In Zeiten des Klimawandels muss man umdenken, sich beschränken, kreativ werden und nicht nur in die Breite, sondern auch mal in die Höhe “bauen” oder “pflanzen”. Außerdem ist unsere Gärtnerei recht mobil, sodass wir immer schnell entscheiden können, ob wir Pflanzen “umplatzieren”, wenn sie sich an einem anderen Standort wohler fühlen oder wenn markantes Wetter wie Starkregen, Hagel, Hitze oder Dürre droht. Mobilität, Flexibilität und Bescheidenheit wird in solchen Zeiten zunehmend an Bedeutung gewinnen. Nur so bekommen bei uns auch auf kleinem Raum sehr viele Pflanzenwesen ein Zuhause ohne eingeschränkt zu werden oder schutzlos den Launen  des Wetters in Zeiten des Klimawandels ausgeliefert zu sein. Dies rettet nicht nur grünes Leben, sondern schützt auch uns als Gärtnerei vor unnötigen Kulturausfällen und Verlusten.

Ein  enormes Umdenken in den Gärtnereien und landwirtschaftlichen Betrieben ist angesagt, wollen sie auch in Zeiten des Klimawandels (über-)leben. In Folge dessen ist Jeder gut beraten, und sei es nur zu einem kleinen Teil, sich selbst um seine Versorgung zu kümmern und jede Fläche zum Anbau zu nutzen, die er hat. Lieber wenig in Zeiten der Not als gar Nichts. Oder aber wie es eine alte Volksweisheit besagt: Ein Spatz in der Hand ist besser als eine Taube auf dem Dach.

“Was du an einem Tag versäumest im Juli, das schaffen im August zehn Tage nicht herbei. ” (Bauernregel)

Wie wahr dieses Bauernregel ist, merkt man ganz besonders an der Sonnenscheindauer im August, die nach der Sommersonnenwende am 21. Juni, merklich nachlässt. Der August und das damit verbundene Lammas-Fest ist wirklich der allerletzte Erntezeitpunkt und außer Gründünger, Wintergerste oder Rasen wird jetzt eigentlich nichts mehr gesät. Auch in der Gärtnerei kommt dann langsam alles zur Ruhe und wird nur noch für die Erhaltung der Pflanzenkinder gesorgt.  Doch bevor das im August soweit ist, haben wir noch einmal Mitte Juli mit unserem Marktstand der schamanischen Gärtnerei auf der Garten- und Kunstmesse in Himmelkron das Ende der Gartensaison gefeiert – dieses mal sogar mit eigenem Aufsteller.

Wieder einmal waren wir sprachlos von der vielen positiven Resonanz in Form von Zuspruch,  Begeisterung, Interesse, Käufen und Beratungen. Dies Alles zeigt uns erneut, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden und wir diesen Weg auch in Zukunft weitergehen werden. Für uns war es trotz eines Jahrhundertsommers eine schöne, relativ entspannte sowie größtenteils verlustfreie Saison, da wir von Anfang an gut geplant und organisiert haben. Nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb der schamanischen Gärtnerei ist unser Konzept voll aufgegangen, was uns ermutigt, die Gärtnerei im nächsten Jahr nach Absprache auch für Besucher zu öffnen und Pflanzen nicht nur über den Onlineshop zu versenden, sondern auch direkt zu verkaufen  – doch dazu später mehr. Bis dahin wünschen wir Euch einen schönen August und einen bezaubernden Spätsommer mit all seinen Facetten!

“Wie die Hundstage (22.07.-23-08.) anfangen, so gehen sie aus. ” (Bauernregel)

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