Rueckblick Mai 2018

Rückblick Mai 2018

„Ist der Mai recht heiß und trocken, kriegt der Bauer kleine Brocken“ (Bauernregel)

So besagt es zumindest eine alte Bauernregel. Und das fasst den ganzen Monat Mai in 2018 auch schon ziemlich gut zusammen. Denn der „Aprilsommer“ ging nicht nur weiter und transformierte sich zum „Maisommer“. Er legte auch noch ein paar Sonnenstunden und Temperaturen drauf. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der April ein vorgezogener Mai war und der Mai ein vorgezogener Juni. Wenn man bedenkt, dass erst gestern am 01. Juni, offiziell meteorologischer Sommeranfang war (wobei das Wetter in der Regel erst viel später – und zwar zum kalendarischen Sommeranfang am 21. Juni – sommerlich wird) und der Mai theoretisch noch als Vollfrühling zu deklarieren ist, wird schnell klar, dass auch hier wieder etwas ganz gewaltig nicht stimmt. Nicht nur der April 2018 war der wärmste April seit Messbeginn im Jahr 1881, auch der Mai stand dem April in nichts nach, denn laut Meteorologen war auch der Mai 2018 der wärmste Mai seit Messbeginn im Jahr 1881.

„Wie’s Wetter am Kreuzauffindungstag (03.05.), bis Himmelfahrt es bleiben mag.“ (Bauernregel)

Er war im Durchschnitt rund 4 Grad zu warm und mit durchschnittlich 275 Stunden Sonne (im Norden Deutschlands gab es sogar bis zu 300 Stunden und mehr) zählt er zu dem fünf sonnenscheinreichsten Mai seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881. Die Wetterlage, welche uns nun schon seit zwei Monaten aus dem Osten Sonne, Wind und Wärme bringt hält weiterhin an und ist ein seltenes Phänomen. Ursache ist ein riesiges, sehr stabiles Hoch über Skandinavien seit April, welches sich mittlerweile nach Nord-Ost-Europa verlagert hat und die bei uns zu dieser Jahreszeit üblichen Atlantiktiefs blockiert. Hitze und Trockenheit bestanden im Mai also auch weiterhin und verlangten nicht nur der Natur, sondern auch den Landwirten und Gärtnern Einiges ab. Wir können uns noch gut erinnern, an den täglichen „Gießmarathon“ im Mai und die leeren Regentonnen. Selbst der Lebensbaum (ein Durst- und Hungerkünstler) auf dem Grundstück unserer Gärtnerei lässt seit Wochen seine Krone und Triebspitzen extrem hängen (obwohl es hin und wieder ein bisschen geregnet hat, aber das war wohl nicht genug).

 

„Gehen die Eisheiligen ohne Frost vorbei, schreien die Bauern und Winzer juchhei.“ (Bauernregel)

Eisheilige? Fehlanzeige! Zum ersten Mal seit vielen Jahre gab es überhaupt keine Eisheiligen (Mitte Mai) und auch das Eintreffen der Schafskälte  (Mitte/Ende Juni) bleibt fraglich. Einerseits ist es natürlich schön, dass Landwirte und Gärtner nicht wegen Frost um ihre Saat oder Pflanzen bangen mussten. Andererseits bleibt doch sehr fraglich ob die zu dieser Jahreszeit viel zu hohen sommerlichen Temperaturen eine Alternative sind. Denn auch unter Hitze können Pflanzen leiden. Ein sog. „Hitzestress“ verursacht bei den meisten Pflanze Welkesymptome durch zu hohe Verdunstung und Verbrennungen auf den Blättern. Wiesen werden braun und auch Bäume leiden, wie wir es schon an unserem Lebensbaum gesehen haben. Bei Laubbäumen kann dies zu einem verfrühten Laubabwurf, dem sog. „Notabwurf“ kommen. Es bleibt abzuwarten, ob dies schon bald der Fall ist und so mancher Laubbaum noch vor dem Herbst sein Kleid ablegen will. Die Ernteausfälle werden schon jetzt auf 30 bis 40 Prozent geschätzt. Extreme Wetterlagen haben meisten auch extreme Unwetter im Gepäck. Und so ging der Mai nicht ohne ein unwetterträchtiges Finale vorbei, das Vielen noch lange in Erinnerung bleiben wird. Zahlreiche Überschwemmungen und sogar ein Tornado hinterließ der Mai zum Schluss.

Wir haben vom Unwetter aber nur wenig mitbekommen. Anscheinend wohnen wir in einem besonderen Dreieck, an dem Gewitter und Unwetter in der Regel vorbeiziehen. Grund hierfür sind auch der Poppenreuther Berg und der Ebersberg, die sich schützend wie Wächter um das Tal, in dem wir wohnen, stellen und so manches Gewitter und Unwetter abfangen und umleiten. So kommt es hin und wieder vor, dass wir von umliegenden Ortschaften und auch der nächstgelegenen Stadt hören, wie heftig das ein oder andere Gewitter war und wie viel es geregnet hat, während bei uns kein Donner erklungen und kein Tropfen gefallen ist. Wir hatten zwar schon das ein oder andere leichte Gewitter, aber dieses hielt nicht lange an, brachte nur wenig Regen mit sich und war oft eher der Rand einer noch größeren Gewitterzelle, die ihr Zentrum in einer weit entfernteren Stadt hatte. Eigentlich eine hervorragende Gegend für eine Gärtnerei, denn wir müssen nicht um Schäden durch Unwetter bangen – Dank der Wächter und Geister, die sich schützend vor unsere Pflanzenkinder stellen.

„Das Wetter um den St. Urban (25.05.) zeigt auch des Herbstes Wetter an. “ (Bauernregel)

Nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang streifen wir täglich durch unsere Gärtnerei und erfreuen uns immer wieder an den Pflanzenwesen und ihrer Entwicklung. Vieles steht jetzt schon in voller Blüte – wie etwa unsere Duftgeranien, die Meisterwurz, das Mutterkraut und der Baldrian. Die Erdbeeren blühen schon seit mehreren Wochen und beschenken uns nahezu täglich mit ihren Gaben. Das Gänsefingerkaut öffnete gestern seine erste Blüte und auch der Lavendel steht schon in den Startlöchern. Mädesüß, Beifuß und Eisenkraut  wachsen fleißig und tragen ein frisches, üppiges gesundes Grün. Der echte Alant und die Königskerze wetteifern miteinander und schießen bei diesem Wetter regelrecht in die Höhe. Wir sind sehr gespannt wer zuerst blüht und vor allem wann. Wir werden es unsere Leser auf jeden Fall wissen lassen, den diese beiden imposanten Pflanzen (mit einer Wuchshöhe von 1,80m bis 2m und den vielen sonnengelben Blüten) sind schon wirklich etwas ganz Besonderes und sozusagen die Vorbilder und Mentoren für die kleineren Pflanzen.

„Zeigt häufig kühl im April und Mai sich die Zeit, hält sie auch von Juni bis November viel Kühle bereit, doch wenn April und Mai sich zu warm gestalten, wird auch von Juni bis November viel Wärme walten. “ (Bauernregel)

Schon bald – am 16. und 17. Juni 2018 –  haben wir den nächsten Gartenmarkt in Tirschenreuth am Fischhofpark und bringen viele neue Pflanzen mit, die wir vorstellen möchten. Unter anderen das Seifenkraut, die Ringelblume, die Römische Kamille und die Zitronen-Katzenminze (auch als „Weiße Melisse“ bekannt). Kommt uns doch besuchen! Wir hoffen doch sehr, dass die Wettergeister und -götter uns auch dann wohlgesonnen sind und allen Besuchern und Ausstellern einen unvergesslich schönen Tag bereiten. Ansonsten hält uns der Alltag in der Gärtnerei genug auf Trab: Tägliches Gießen, das Kontrollieren auf ungebetene Gäste sowie das Entgegenwirken mit biologischen Pflanzenstärkungsmitteln und Nützlingen und das Ein- und Umtopfen von angewachsenen Sämlingen, Jungpflanzen, Ausläufern und Stecklingen. Für alle Gärtner sind solch warmen Monate die wirklich „heiße Phase“ des Jahres in der alles wächst, blüht, gedeiht und gepflegt werden will. Aber wenn wir diese Arbeit nicht lieben würden, gäbe es unsere Gärtnerei ja gar nicht. Es ist so entspannend, sich täglich den Pflanzenwesen zu widmen, ihre Entwicklung zu beobachten, ihnen zuzuhören und auf jedes Detail zu achten. Nichts kann diese wunderbaren persönlichen Erfahrungen ersetzen und es ist ein wunderbares Gefühl Eins mit der Natur zu sein. Das ist Schamanismus, das ist NatUr!

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